Erkrankungen

NeuroCure konzentriert sich auf zerebrovaskuläre Erkrankungen, Neuroinflammation und Störungen funktioneller Netzwerkstrukturen, mit den prototypischen Erkrankungen Schlaganfall und Multiple Sklerose, sowie fokale Epilepsien und Störungen des Zentralen Nervensystems durch mitochondriale Dysfunktion. Diese neurologischen Erkrankungen teilen eine Vielzahl von Krankheitsmechanismen, weshalb durch die gemeinsame Erforschung neue Synergien in der Therapie erwartet werden.

Zerebrovaskuläre Erkrankungen (z.B. Schlaganfall)
Neuroinflammation (z.B. Multiple Sklerose)
Entwicklungsstörungen des Gehirns (z.B. Epilepsie)

Schlaganfall [auch Gehirnschlag, Insult, Apoplex]

Als Schlaganfall werden lokale Durchblutungsstörungen im Gehirn und der damit verbundene Funktionsverlust der Nervenaktivitäten bezeichnet.
Abhängig von Dauer, Umfang und Lokalisation der Durchblutungsstörung kann es zu einem anhaltenden Ausfall von verschiedenen Funktionen des Zentralnervensystems kommen (z. B. Lähmungen, Sprachverlust, Wahrnehmungsstörungen).

Ursachen
In etwa 80% der Fälle sind Verengungen bzw. der Verschluss von Blutgefäßen (ischämischer Infarkt), die das Gehirn versorgen, Ursache für Schlaganfälle. Seltener werden Schlaganfälle durch Hirnblutungen (hämorrhagischer  Infarkt), z. B. durch zerplatzen eines Blutgefäßes, ausgelöst.
Beiden Ursachen gleich ist die Folge der Unterversorgung der Nervenzellen des betroffenen Hirnareals mit Sauerstoff. Dadurch kommt es zum Absterben der Nervenzellen.

Häufigkeit (Epidemiologie)
In Deutschland erleiden jährlich ca. 262.000 Menschen einen Schlaganfall. Mit 63.000 Todesfällen ist der Schlaganfall die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. (Schätzungen der WHO zufolge erleiden weltweit 15,3 Millionen Menschen einen Schlaganfall und sterben weltweit 57 Millionen Menschen an den Folgen, Daten 2002) Weiterhin ist es die häufigste Ursache erworbener Behinderungen im Erwachsenenalter.
Das Risiko einen Schlaganfall zu erleiden steigt mit dem Alter. Etwa die Hälfte alle Schlaganfallpatienten in Europa sind älter als 73 Jahre. Aufgrund des demographischen Wandels wird die absolute Zahl der Neuerkrankungen in den kommenden Jahren weiter ansteigen.

Symptome
Die Symptome eines Schlaganfalls können je nach Umfang und Lokalisation unterschiedliche Ausmaße annehmen. Häufige Symptome sind Sehrstörungen, Schwindel, Lähmungen, Kopfschmerzen, Sprach- und Orientierungsstörungen.
In einem Verdachtsfall sollte umgehend ein Notarzt benachrichtigt werden, da zur Behandlung nur ein sehr kurzes Zeitfenster (ca. 4 Stunden) zur Verfügung steht.

Behandlung
Akutpatienten eines ischämischen Infarktes werden durch thrombolytische Medikamente, die die Verstopfung des Blutgefäßes lösen sollen, erstversorgt. Patienten eines hämorrhagischen  Infarkts werden zunächst mit entwässernden Medikamenten behandelt um den Druck auf das Gehirn zu senken. Bei zu starkem Druck kann dies auch operativ erfolgen.

Sogenannte Stroke-Units sind auf die Behandlung von Schlaganfallpatienten spezielisiert .

Im Anschluss an die Akutversorgung müssen Schlaganfallpatienten häufig intensive und langwierige Rehabilitationsmaßnahmen durchführen um durch den Schlaganfall eingeschränkte Körperfunktionen (Lähmung, Sprachstörungen, Wahrnehmungsstörungen) wiederzuerlangen.

Multiple Sklerose [auch Encephalomyelitis disseminata]

Multiple Sklerose (MS) is eine chronisch-entzündliche Erkrankung des Zentralen Nervensystems. Innerhalb zahlreicher Entzündungsherde in Gehirn und Rückenmark werden die Myelinscheiden der Nervenzellfortsätze durch körpereigene Immunzellen abgebaut. Da die Myelinscheiden dienen der elektrischen Isolierung der Nervenzellfortsätze und sind essentiell für die Weiterleitung elektrischer Impulse. Durch den Verlust der Myelinscheiden kommt es daher zu unterschiedlichsten neurologischen Störungen in Abhängigkeit von Stärke und Lokalisation der Entzündungsherde.

Ursachen
Die Ursache der Multiplen Sklerose ist bislang ungeklärt.
Die geographischen Unterschiede in der Häufigkeit legen die Beteiligung von Umweltfaktoren nahe. Weiterhin werden Störungen des Immunsystems, Infektionen und genetische Ursachen diskutiert, konnten jedoch bislang nicht ausreichend belegt werden.

Häufigkeit (Epidemiologie)
Multiple Sklerose ist neben der Epilepsie eine der häufigsten neurologischen Krankheiten bei jungen Erwachsenen.
Die Häufigkeit der Erkrankung ist in Abhängigkeit von der geographischen Lage unterschiedlich, die Häufigkeit nimmt mit der Entfernung vom Äquator zu. In Deutschland sind etwa 120.000 Menschen von Multipler Sklerose betroffen. Weltweit wird die Anzahl der MS Patienten auf 2,5 Mio. Menschen geschätzt. Frauen sind insgesamt häufiger betroffen als Männer.

Symptome
Je nachdem wo die Entzündungsherde im Zentralen Nervensystem lokalisiert sind kann Multiple Sklerose beinahe jedes neurologische Symptom verursachen.
häufig, jedoch nicht spezifisch, sind Sehstörungen, Empfindungsstörungen, Koordinationsstörungen, Sprachstörungen und Lähmungen.

Behandlung
Multiple Sklerose ist bislang nicht heilbar. Durch Medikamente und Physiotherapie kann das Fortschreiten der Erkrankung jedoch verlangsamt und die Intensität der Symptome verringert werden.
Zur Linderung der Symptome werden entzündungshemmende (z. B. Glucocorticoiden) und schmerzlindernde Medikamente eingesetzt. Um das Fortschreiten der Krankheit zu bremsen kommen Medikamente zum Einsatz die das Immunsystem unterdrücken (Immunsuppressiva) oder modulieren.
Um Muskelschwäche, Gelenksteifheit und Lähmungen zu mindern erfolgt oft ergänzend eine Bewegungstherapie (z. B. auf dem Pferd, Wassersport, autogenes Training, Yoga).

Epilepsie

Als Epilepsie wird ein Krankheitsbild beschrieben das durch spontan auftretende Krampfanfälle gekennzeichnet ist.
Der sogenannte epileptische Anfall wird durch die synchrone Entladung von Neuronengruppen im Gehirn verursacht, wodurch es zu plötzlichen und unwillkürlichen Muskelkrämpfen und Befindensstörungen kommt.

Ursachen
Epilepsie kann verschiedene Ursachen haben. Neben Fehlbildungen des Gehirns gelten Schädigungen des Hirngewebes durch Sauerstoffmangel während der Geburt, Hirntumore und Schädelverletzungen zu den Ursachen. Aber auch Infektionen des Gehirns (Enzephalitis), Stoffwechselerkrankungen sowie Alkohol-, Drogen- und Medikamentenmissbrauch können eine Epilepsie auslösen. Es gibt allerdings auch Formen der Epilepsie deren Ursachen bislang ungeklärt sind.

Häufigkeit (Epidemiologie)
Auch wenn ca. 5% aller Menschen einmal im Leben einen Krampfanfall erleiden spricht man nur bei 0,5 bis 1% der Bevölkerung von einer aktiven Epilepsie (daher regelmäßige Krampfanfälle). In Deutschland sind dies ungefähr 400.000 bis 800.000 Menschen. Die Zahl der Neuerkrankungen pro Jahr ist stark abhängig vom Alter. Während bis zu 90 von 100.000 Kindern pro Jahr an Epilepsie erkranken liegt die Anzahl der Neuerkrankungen von Erwachsenen bei 20 pro 100.000. Im höheren Alter (ab 60 Jahren) steigt die Zahl der Neuerkrankungen wieder auf 60 pro 100.000.
Das Auftreten einzelner Krampfanfälle oder Fieberkrampf bei Kindern ist in diesen Zahlen nicht beinhaltet.

Symptome
Bei den Symptomen der Epilepsie wird grundlegend in fokale und generalisierte Formen unterschieden. Bei fokalen Anfällen sind begrenzte Areale der Hirnrinde von der synchronisierten Entladung der Nervenzellen betroffen. Die Symptome sind, je nach Lokalisation der betroffenen Region auf bestimmte Körperregionen beschränkt. Ein fokaler Anfall kann sekundär jedoch auch in einen generalisierten Anfall übergehen.
Generalisierte Anfälle umfassen das gesamte Gehirn bzw. große Flächen beider Hirnhälften gleichzeitig. Dementsprechend betrifft der Krampfanfall ebenfalls den gesamten Körper.
Neben unwillkürlichen Muskelkrämpfen und stereotypischen Bewegungsabläufen berichten Betroffene auch von Bewusstseins- und Empfindungsstörungen bis hin zu Bewusstlosigkeit. Viele Anfälle kündigen sich dem Betroffenen durch ein unbestimmtes Gefühl, der sogenannten Aura, an.

Behandlung
Epilepsie kann je nach Form und Schwere medikamentös behandelt werden. Mit Antiepileptischen Medikamenten kann ca. 2/3 der Patienten geholfen werde ein nahezu Anfallsfreies Leben zu führen. In besonders schweren Fällen und bei nichtanschlagen medikamentöser Therapien kann unter bestimmten Vorraussetzung auch ein chirurgischer Eingriff erfolgen.